Tag der Pflege

Mir ist der Applaus wichtiger als der Kaviar auf dem Brot. Mir reicht auch Marmelade“ (Klaus Marschall, *1961, Autor, Regisseur, Leiter der Augsburger Puppenkiste).

Applaus stellt Anerkennung dar, eine Anerkennung, wie sie die Pflegekräfte hierzulande mit Beginn der Pandemie aus großen Teilen der Bevölkerung erfahren haben. Begonnen hat es übrigens nicht in Deutschland, es waren die Spanier in Madrid, die auf den Balkonen stehend ihre Landsleute mit Beifall bedacht haben. Es war bewundernswert, dass die Pflegerinnen und Pfleger, Ärztinnen und Ärzte bis zur Erschöpfung alles dafür taten, dass geholfen werden kann. In dieser Zeit waren sie aber nicht nur für die medizinische Versorgung zuständig, sie waren auch Organisatoren und seelische Unterstützung. Manche von Ihnen wurden ebenfalls krank. Viele arbeiteten dennoch weiter und versorgten die ebenfalls positiven Patienten. Denn damit konnte man, zumindest wurde es versucht, die noch gesunden Kolleginnen und Kollegen unterstützen und schützen.

Das war am Anfang der Pandemie und seitdem hat sich einiges verändert. Es wird nicht mehr applaudiert. Einige derer, die sich angesteckt haben, können oder wollen nicht mehr arbeiten. Man interessiert sich nicht mehr für freie Intensivbetten oder genügend Personal. Man hört kaum jemand fragen, wie lange denn gearbeitet wurde und wann der letzte freie Tag war. Es ist still geworden in der Gesellschaft.

Dabei sind die Grundprobleme noch immer dieselben. Sie sind in den letzten 1 ½ Jahren nur noch größer geworden. Es gibt noch immer viel zu wenig Personal. Behandelt wird oft nur nach „Art des Leidens“ – so ist es für Krankenhäuser ertragreicher eine neue Hüfte einzupflanzen, als einen Schlaganfallpatienten zu behandeln. Die Bezahlung ist mies. Richtig mies. Altenpflegerinnen und -pfleger mussten bis vor kurzem noch ihre Ausbildung selbst bezahlen. Ausfälle können kaum kompensiert werden und Schichten von über 12 Stunden sind mehr die Tagesordnung als die Ausnahme. Dabei ist ein Großteil davon keine pflegerische Tätigkeit. Die Zeit, die man mit dokumentieren verbringt ist enorm. Alles muss genau angezeigt werden. Dabei wurden über die Hälfte der Pflegerinnen und Pfleger noch gar nicht genannt. Diese sind oft privat vermittelt und versorgen unsere älteren Generationen zu Hause. Sie stammen zumeist aus Osteuropa, arbeiten für kleines Geld und haben keinerlei Absicherung.

Man könnte denken, wir haben erkannt, wer wirklich in einem Systemrelevanten Beruf arbeitet und wer nicht. Leider ist das bei vielen nur bis zum Kurzzeitgedächtnis vorgedrungen. Die Aussicht auf Lockerungen und der Möglichkeit vielleicht in diesem Sommer für 14 Tage all inclusive an die türkische Riviera zu fahren um die Pandemie wenigstens für eine kurze Zeit aus dem Blickfeld zu streichen, hat das alles überlagert.

Wir möchten am heutigen Tag der Pflege zum Nachdenken animieren. Wir möchten Danke sagen an alle da draußen, die sich aktiv um unsere Mitbürger kümmern. Um die Pflegerinnen und Pfleger in den Heimen, den ambulanten Diensten, der Lebenshilfe, den Seelsorgerinnen und Seelsorger, an alle die nachbarschaftliche Unterstützung anbieten und an alle, die Dienst an unseren Mitbürgern vollbringen.  Daher fordern wir endlich eine gerechtere Entlohnung in allen Einrichtungen, eine familienfreundlichere Arbeitsplatzgestaltung, bessere Fortbildungsmöglichkeiten und eine effizientere Bürokratie.

Das haben sie nun wirklich verdient.

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